Datenaustausch am Bau: GAEB, REB und DATANORM im Überblick
Zwischen der ersten Ausschreibung und der letzten Schlussrechnung eines Bauvorhabens wechseln Leistungsverzeichnisse, Aufmaße und Kalkulationsdaten dutzende Male den Besitzer. Jeder Übergabepunkt ist eine potenzielle Fehlerquelle, denn die beteiligten Unternehmen und Büros arbeiten mit unterschiedlicher Software, die Daten jeweils auf eigene Weise strukturiert. Damit dieser Austausch trotzdem reibungslos funktioniert, hat die deutsche Bauwirtschaft über Jahrzehnte hinweg eigene Datenformate entwickelt und standardisiert. Drei davon bilden das Rückgrat der digitalen Zusammenarbeit: GAEB für den Austausch von Leistungsverzeichnissen, REB für die rechnergestützte Mengenermittlung und Abrechnung sowie DATANORM für Artikelstammdaten und Materialpreise.
Warum braucht der Datenaustausch am Bau eigene Standards?
In vielen Branchen genügt eine einfache Rechnung oder ein PDF, um Leistungen zwischen zwei Parteien zu dokumentieren. Im Bauwesen funktioniert das nicht, weil die Datenmengen und Abhängigkeiten zwischen den Beteiligten um ein Vielfaches komplexer sind. Ein Leistungsverzeichnis mit hunderten Positionen muss vom Auftraggeber an mehrere Bieter gehen, dort maschinell eingelesen und bepreist werden und anschließend als Angebot zurückfließen. Später liefern Aufmaße die Grundlage für die Abrechnung, und parallel dazu müssen aktuelle Materialpreise von Herstellern und Händlern in die Kalkulation einfließen. Wenn jedes Programm diese Informationen in einem eigenen Format speichert, bleibt als Ausweg nur die manuelle Übertragung. In der Praxis führt diese aber zu doppelter Erfassung, Übertragungsfehlern und unnötigem Zeitverlust.
Branchenspezifische Austauschstandards definieren ein gemeinsames Datenformat, auf das sich Softwarehersteller und Anwender gleichermaßen verlassen können. Statt Daten per Hand abzutippen, importiert die empfangende Software eine standardisierte Datei und ordnet die enthaltenen Informationen automatisch den richtigen Feldern zu.
GAEB: der Standard für Leistungsverzeichnisse
Die Abkürzung GAEB steht für den Gemeinsamen Ausschuss Elektronik im Bauwesen, ein Gremium, das seit den 1960er-Jahren Regeln für den elektronischen Datenaustausch in der Bauwirtschaft erarbeitet. Das bekannteste Ergebnis dieser Arbeit ist der GAEB-Datenaustausch: ein standardisiertes Format, mit dem Leistungsverzeichnisse elektronisch zwischen Auftraggebern, Planern und Bietern weitergegeben werden können.
In der Praxis begleitet GAEB ein Bauvorhaben über mehrere Phasen. Der Auftraggeber erstellt das Leistungsverzeichnis in seiner AVA-Software und exportiert es als GAEB-Datei. Die Bieter lesen diese Datei in ihre eigene Kalkulationssoftware ein, bepreisen die Positionen und geben ihr Angebot wiederum als GAEB-Datei zurück. Nach der Vergabe bildet dasselbe Format die Grundlage für die vertragliche Leistungsbeschreibung, und auch bei der späteren Abrechnung können Aufmaßdaten im GAEB-Format ausgetauscht werden.
Für die verschiedenen Projektphasen definiert der Standard eigene Dateitypen. Die Phase 83 beschreibt die Ausschreibung, Phase 84 das Angebot, Phase 85 den Auftrag und Phase 86 die Abrechnung. Auf diese Weise bleibt die Datenstruktur über den gesamten Projektverlauf konsistent, auch wenn die Daten zwischen unterschiedlichen Programmen hin und her wandern.
Im öffentlichen Vergabewesen ist der GAEB-Austausch heute faktisch Pflicht. Viele öffentliche Auftraggeber akzeptieren Angebote ausschließlich in elektronischer Form und verlangen dabei explizit das GAEB-Format.
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REB: Mengenermittlung und Bauabrechnung
Während GAEB regelt, welche Leistungen ausgeschrieben und abgerechnet werden, beantwortet die REB die Frage, wie die zugehörigen Mengen rechnerisch ermittelt werden. REB steht für Regelungen für die Elektronische Bauabrechnung und umfasst eine Reihe von Verfahrensbeschreibungen, die festlegen, nach welchen Formeln und Rechenregeln Massen, Flächen und Volumina zu berechnen sind.
Die in der Praxis wichtigste dieser Verfahrensbeschreibungen ist die REB 23.003. Sie definiert die rechnergestützte Mengenermittlung: Welche Rechenansätze zulässig sind, wie Formeln aufgebaut sein müssen und in welcher Form die Berechnung dokumentiert wird, damit sie für den Auftraggeber nachvollziehbar und prüfbar bleibt.
Besonders relevant ist die REB im Tief-, Straßen- und Erdbau, wo Mengen aus Querprofilen, Flächenberechnungen und Massenermittlungen stammen und die manuelle Nachvollziehbarkeit an ihre Grenzen stößt. Durch die standardisierte Dokumentation kann der Auftraggeber die Berechnung Schritt für Schritt nachprüfen, ohne die Software des Auftragnehmers zu kennen.
Der digitale Austausch der so ermittelten Mengen erfolgt vor allem über die Formate D11 und X31. Über diese Schnittstellen lassen sich Aufmaßdaten zwischen der Software des Auftragnehmers und der des Auftraggebers übertragen.
DATANORM: Artikeldaten und Materialpreise
DATANORM ist das Standardformat für den Austausch von Artikelstammdaten und Preislisten zwischen Baustoffherstellern beziehungsweise Händlern und den verarbeitenden Betrieben. Über DATANORM stellen Hersteller und Händler ihre Artikeldaten, Preise und Warengruppenzuordnungen in einem einheitlichen Format bereit. Bauunternehmen können diese Daten direkt in ihre Kalkulationssoftware importieren und haben damit stets aktuelle Materialpreise als Kalkulationsgrundlage verfügbar.
In der Praxis funktioniert DATANORM als Verbindungsstück zwischen Einkauf und Kalkulation. Die vom Händler bereitgestellten Preise fließen über den Import in die Kalkulationsstammdaten des Bauunternehmens ein, wo sie dann bei der Bepreisung einzelner Leistungsverzeichnis-Positionen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise bleibt die Kalkulation auch bei Preisänderungen aktuell, sofern der Betrieb die DATANORM-Dateien regelmäßig einspielt.

